Thrombose vorbeugen

Welche Risikofaktoren gibt es

Das Risiko für eine Thrombose kann durch bestimmte Erbanlagen, Erkrankungen und Medikamente erhöht sein. Auch in bestimmten Situationen, z.B. nach einer Operation, bei einer erzwungenen Bettruhe oder in der Schwangerschaft, sind Thrombosen wahrscheinlicher. Allerdings liegen bei etwa 40 Prozent aller Thrombosepatienten keine erkennbaren Auslöser vor.1

Treffen zwei oder mehr der folgenden Risikofaktoren auf Sie zu, lassen Sie sich von Ihrem Arzt über Ihr persönliches Thromboserisiko beraten. Möglicherweise ist eine Thrombosevorbeugung mit Medikamenten sinnvoll.

Die wichtigsten Risikofaktoren für eine tiefe Beinvenenthrombose sind:

  • Höheres Lebensalter (über 60 Jahre)
  • Frühere Thrombose oder Lungenembolie
  • Thrombosen/Embolien bei den Eltern oder Geschwistern
  • Ererbte Gerinnungsstörung
  • Operation (auch kleinere Eingriffe, z.B. Kniegelenkspiegelung)
  • Längere Bettlägerigkeit
  • Gipsverband oder Schienung eines Beines
  • Schwere chronische Erkrankung (z.B. Krebserkrankung oder Herzleistungsschwäche)
  • Schwere akute Erkrankung (z.B. Lungenentzündung, Schlaganfall mit Lähmung, anhaltendes Fieber, akute Verschlimmerung einer chronischen Erkrankung)
  • Venenerkrankungen wie Krampfadern (Varizen) oder eine Venenentzündung (Thrombophlebitis)
  • Einnahme der Antibaby-Pille
  • Einnahme von Hormonpräparaten in und nach den Wechseljahren
  • Schwangerschaft, Entbindung, Wochenbett
  • Übergewicht
  • Stundenlanges beengtes Sitzen (z.B. lange Flugreise; "Economy Class-Syndrom")
  • Flüssigkeitsverlust (Erbrechen, Durchfall), geringe Trinkmenge
  • Rauchen

Näheres zu den genannten Risikofaktoren erfahren Sie unter Mit Risikofaktoren umgehen.

Wie Sie Ihr Thromboserisiko
erkennen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland schätzungsweise zwischen 80.000 und 100.000 Menschen an einer tiefen Venenthrombose. Die Erkrankung ist damit nach Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste plötzlich auftretende Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems.1

Um Thrombosen vorbeugen zu können, ist es wichtig, das eigene Risiko gut zu kennen. Es kann in bestimmten Situationen, z.B. bei einer Operation, einer erzwungenen Bettruhe oder auch in der Schwangerschaft, erhöht sein. 

Wie Sie Ihr Thromboserisiko
senken

Wer sein Thromboserisiko senken möchte, kann mit einfachen Maßnahmen selbst viel dafür tun. Das Wichtigste ist dabei Bewegung: Nutzen Sie im Alltag jede Chance zur Bewegung und vermeiden Sie langes Sitzen und Stehen.

Mit den folgenden Maßnahmen können Sie Ihr Thromboserisiko senken.

Dies ist besonders wichtig, wenn Sie ein erhöhtes Thromboserisiko haben. Da aber etwa 40 Prozent aller tiefen Beinvenenthrombosen bei Menschen ohne Risikofaktor oder Risikosituation auftreten, sind die folgenden praktischen Tipps zur Thrombosevorbeugung für alle nützlich.

  • Viel Bewegung
  • Bei sitzender Tätigkeit oder auf längeren Reisen Bewegungspausen einlegen
  • Langes Stehen und Sitzen vermeiden
  • Reichlich trinken
  • Übergewicht vermeiden
  • Bei erhöhtem Thromboserisiko medizinische Kompressionsstrümpfe tragen
  • Bei erzwungener Bettruhe Übungen der Fuß- und Beinmuskulatur zur Aktivierung der Muskelpumpe durchführen
  • Frühes Aufstehen nach einer Operation oder einer akuten Erkrankung in Abstimmung mit dem Arzt

In Situationen mit einem hohem Thromboserisiko reichen diese Basismaßnahmen allerdings nicht mehr aus, hier werden Medikamente zur Vorbeugung einer Thrombose eingesetzt.

Basismaßnahmen
  • Bewegung
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    Zur Vorbeugung von Thrombosen ist Bewegung besonders wichtig. Das ergibt sich aus der großen Bedeutung der Muskelpumpe für die Vorwärtsbewegung des Blutes in den tiefen Beinvenen. Diese müssen das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen befördern, ohne eine eigene Pumpvorrichtung zu besitzen. Sie sind darauf angewiesen, dass das Blut durch Anspannung der Beinmuskulatur vorangebracht wird.

    Wer sein Thromboserisiko verringern möchte, sollte

    • im Alltag jede Chance zur Bewegung nutzen (z.B. Treppen steigen statt Rolltreppe, eine Haltestelle früher aussteigen)
    • regelmäßig ein paar zusätzliche Trainingseinheiten einplanen; alle Sport- und Bewegungsarten, bei denen die Beine maßgeblich mitwirken, sind geeignet
    • wenn Sie viel sitzen: zwischendurch öfter aufstehen und umherlaufen
    • zwischendurch regelmäßige Übungen zur Fuß- und Beingymnastik machen. So aktivieren Sie auch im Sitzen und bei erzwungener Bettruhe die Muskelpumpe
    • auf längeren Flugreisen den Platz am Gang reservieren, um öfter ein paar Schritte gehen zu können
  • Flüssigkeit
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    Damit das Blut flüssig bleibt und nicht „eindickt“, ist es wichtig, über den Tag verteilt ausreichend zu trinken. Dies gilt für zu Hause und unterwegs.

    Zu diesem Zweck besonders geeignete Getränke sind

    • Wasser
    • Früchte- und Kräutertees
    • (verdünnte) Frucht- oder Gemüsesäfte

    Nicht geeignet sind alkoholhaltige Getränke. Denn Alkohol erweitert die Venen und lässt so das Blut langsamer fließen.

  • Kompressionsstrümpfe
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    Wer ein Venenleiden wie Krampfadern (Varizen) oder sonst ein erhöhtes Thromboserisiko hat, sollte zusätzlich zu den Basismaßnahmen tagsüber medizinische Kompressionsstrümpfe tragen. Denn sie sind nachweislich wirksam und gelten als Basisbehandlung aller Venenerkrankungen.

    Medizinische Kompressionsstrümpfe üben einen genau definierten Druck (= Kompression) von außen auf das Gewebe und die Venen aus. Damit werden die Muskelpumpe unterstützt und der Blutfluss in den tiefen Venen beschleunigt. Man unterscheidet je nach der Stärke des Drucks vier verschiedene Kompressionsklassen.

    Übrigens: Mit ihren Vorfahren, dem gefürchteten hautfarbenen "Gummistrumpf", haben moderne Kompressionsstrümpfe gar nichts mehr gemeinsam. Die heutigen Gewebe sind atmungsaktiv, hautfreundlich, angenehm zu tragen und in vielen Farben erhältlich. Man sieht es modernen Kompressionsstrümpfen heute nicht mehr an, dass sie therapeutisch wirken.

    Voraussetzung für eine optimale Wirkung ist jedoch, dass sie perfekt sitzen. Sie dürfen keine Falten werfen, die Haut nicht durch zu starken Druck schädigen oder das Bein einschnüren. Kompressionsstrümpfe sollten daher durch sorgfältige Vermessung der Beine im Sanitätshaus ausgewählt und angepasst werden.

    Kompressionsstrümpfe gelten als medizinische Hilfsmittel, die von einem Arzt verordnet werden. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein Paar Kompressionsstrümpfe alle sechs Monate, also zwei Paar pro Jahr.

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    Kompressionsstrümpfe sind nicht zu verwechseln mit

    • Stützstrümpfen, die wesentlich dünner sind als ihre medizinischen Verwandten. Stützstrümpfe eignen sich ausschließlich für Venengesunde zur Vorbeugung gegen schwere, müde Beine bei langem Stehen oder Sitzen. Weil sie nicht therapeutisch wirken, werden die Kosten auch nicht von der Krankenkasse übernommen.
    • den "Anti-Thrombose-Strümpfen", die für bettlägerige und frisch operierte Patienten zur Vorbeugung einer Thrombose verwendet werden. Diese Strümpfe haben einen niedrigen Druck und sind anders gestrickt, weswegen sie für aufrecht gehende und sitzende Patienten nicht geeignet sind. Anti-Thrombose-Strümpfe sind immer weiß.

Übungen zur Thrombosevorbeugung

  • Übungen zum Aufwärmen
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    Mit diesen einfachen Übungen halten Sie Ihre Venen fit. Starten Sie mit dem Aufwärmen.

    15-20 x wiederholen, mehrmals täglich durchführen:

    • Im Ausfallschritt mit den Armen an der Wand in die Hocke gehen und damit die Wadenmuskel dehnen. Die Dehnung sollte einige Sekunden dauern.
  • Übungen im Sitzen oder Stehen
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    Mit diesen Übungen können Sie auch im Sitzen der Thrombose vorbeugen.

    15-20 x wiederholen, mehrmals täglich durchführen:

    • Fuß von der Zehenspitze zur Ferse rollen und zurück
    • Wechsel zwischen Zehen und Fersenstand
    • Wadenmuskeln anspannen/entspannen
    • Mit den Zehen wackeln
  • Übungen im Liegen
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    Mit diesen Übungen im Liegen bleiben Ihre Venen fit.

    15-20 x wiederholen, mehrmals täglich durchführen:

    • Füße kreisen
    • Beugen und Strecken der Fußspitzen
    • Wadenmuskeln anspannen/ entspannen
    • „Fahrradfahren“
  • Atemübungen
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    Auch auf die Atmung kommt es an!

    15-20 x langsam wiederholen, mehrmals täglich durchführen:

    • Tief bis unten in die Lunge einatmen: Es kommt zu einer Sogwirkung auf das Blut des Bauchraums sowie zu einer Steigerung des Blutflusses

Mit Medikamenten vorbeugen

In Situationen mit hohem Thromboserisiko werden zur Vorbeugung Medikamente angewendet, die die Blutgerinnung hemmen. Diese Medikamente nennt man Antikoagulanzien.

Ist das Risiko nur vorübergehend erhöht, werden meistens niedermolekulare Heparine (NMH) verwendet, die unter die Haut (subkutan) gespritzt werden.

Wenn eine langfristige Vorbeugung erforderlich ist, kommen zumeist Tabletten für die Gerinnungshemmung zum Einsatz. Man spricht dann von der oralen Antikoagulation. Die Medikamente dafür nennt man orale Antikoagulanzien.

Niedermolekulare Heparine (NMH)

Niedermolekulare Heparine (NMH) werden aus unfraktioniertem Heparin, einem Vielfachzucker aus der Darmschleimhaut von Schweinen, hergestellt.

NMH binden einen bestimmten körpereigenen Gerinnungshemmer und verstärken dessen Wirkung 1.000fach. Auf diese Weise können NMH die Blutgerinnung sofort „herunterfahren“.

Es gibt verschiedene NMH, die sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung (Prophylaxe) einer Thrombose eingesetzt werden.

Bei den meisten Patienten reicht es aus, wenn sie für die Thrombosevorbeugung als Fertigspritze einmal täglich unter die Haut spritzen (subkutan). Die klinischen Untersuchungen zur Thrombosevorbeugung mit NMH haben eindeutig gezeigt, dass sie tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien vorbeugen.

NMH werden in Situationen mit erhöhtem Thromboserisiko eingesetzt, z.B. in der Vorbereitungsphase auf eine Operation, nach einer Operation, bei einer akuten Erkrankung mit Bettruhe oder bei Ruhigstellung eines Beines im Gipsverband. Nach einer Operation ist ein medikamentöser Thromboseschutz mindestens so lange notwendig, bis der Patient sich wieder normal bewegen kann. Dies kann bedeuten, dass die NMH-Gabe auch noch nach der Klinikentlassung fortgesetzt wird. So wendet man beispielsweise nach einem Hüft- oder Kniegelenkersatz NMH bis zu 6 Wochen an.

Eine noch längere Thromboseprophylaxe wird in der Regel mit Tabletten zur Gerinnungshemmung durchgeführt. Eine Ausnahme sind Patienten mit Krebserkrankungen oder Schwangere, die auch langfristig mit NMH behandelt werden.

Hier können Sie die Spritzanleitung mit der Sicherheitsspritze herunterladen oder den Film dazu ansehen.

  • Verträglichkeit von NMH

    Die meisten Patienten vertragen niedermolekulares Heparin sehr gut.

    Da das Medikament die Gerinnung hemmt, erhöht es naturgemtäß die Blutungsneigung. Daher kann es sein, dass an den Einstichstellen der Fertigspritzen kleine „blaue Flecken“ entstehen. Dies ist aber harmlos. In seltenen Fällen sind größere Einblutungen möglich, hier sollten Sie unbedingt sofort Ihren Arzt informieren.

    Vorsicht ist geboten, wenn während der Behandlung mit NMH ein operativer Eingriff notwendig wird, auch ein kleinerer, wie etwa beim Zahnarzt. Machen Sie den Arzt rechtzeitig darauf aufmerksam, dass Sie einen Gerinnungshemmer anwenden.

    Am besten ist es, wenn Sie schon ein Woche vor einem Eingriff mit Ihrem Ärzt sprechen, damit alles in Ruhe geplant werden kann.

    Auch bei einem Unfall sollten Sie die behandelnden Ärzte auf den Gerinnungshemmer hinweisen. Kleine äußerliche Verletzungen können etwas länger und stärker bluten. Das ist aber in der Regel kein Problem.

    Nach Ihrem Hinweis werden die Ärzte besonders sorgfältig auch auf eventuelle innere Blutungen achten.

    Ein wichtiger Hinweis: Wenn Sie bei einer früheren Heparin-Anwendung eine allergische Reaktion hatten oder wenn die Zahl der Blutplättchen (Thrombozyten) während einer Heparin-Behandlung deutlich abfiel, müssen Sie Ihren Arzt vor einer erneuten Heparin-Anwendung darauf hinweisen.

Unfraktionierte Heparine (UFH)

Grundsätzlich können auch unfraktionierte Heparine (UFH) zur Thrombosevorbeugung eingesetzt werden. Sie haben aber gegenüber niedermolekularen Heparinen (NMH) den Nachteil, dass sie bei etwa gleicher Wirksamkeit viel kürzer wirken. Daher müssen sie zwei- bis dreimal am Tag gespritzt werden. Im Krankenhaus werden sie häufig sogar direkt in die Vene gespritzt (intravenöse Gabe). Wegen weiterer Nachteile der UFH bei der Überwachung und dem Risikoprofil werden seit nunmehr ca. 20 Jahren überwiegend NMH zur Thrombosevorbeugung  verwendet.

Tabletten zur Gerinnungshemmung

Für eine langfristige Thrombosevorbeugung  mit Medikamenten setzt man meistens Gerinnungshemmer in Form von Tabletten ein.

Man spricht von einer oralen Gerinnungshemmung, auch medizinisch orale Antikoagulation genannt. Die Medikamente dafür nennt man orale Antikoagulanzien.

  • Vitamin-K-Antagonisten

    Für eine langfristige Thrombosevorbeugung mit Medikamenten werden seit Jahrzehnten Hemmstoffe des Vitamin K verwendet. Diese so genannten Vitamin-K-Gegenspieler (Vitamin-K-Antagonisten) hemmen die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung wichtig ist. Mit Vitamin-K-Antagonisten wird die Gerinnungsneigung des Blutes herabgesetzt.

    Die bekanntesten Medikamente aus dieser Gruppe sind Marcumar® und Falithrom®.

    Da sich die gerinnungshemmende Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten nur langsam über mehrere Tage aufbaut, werden sie am Anfang einige Tage lang zusammen mit niedermolekularen Heparinen (NMH) eingenommen.

    Die gerinnungshemmende Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten muss regelmäßig mit einem Labortest untersucht werden, um die Dosierung gegebenenfalls anpassen zu können.

  • Direkte orale Antikoagulanzien

    Seit ein paar Jahren sind neue orale Antikoagulanzien zur Thrombosevorbeugung verfügbar.

    Sie wirken direkt gegen bestimmte Gerinnungsfaktoren. Deswegen werden sie auch direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) genannt.

    Diese direkten oralen Gerinnungshemmer werden in einer festen Dosierung gegeben. Eine regelmäßige Kontrolle der gerinnungshemmenden Wirkung ist daher zumeist nicht mehr notwendig.

Referenzen

Referenzen

1. Diehm C et al.
Die tiefe Venenthrombose. Diagnostik und Therapie.
Dt Äztebl 1997; 94: A-301 –311.